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Geschäftsbericht 1995

Diese Seite beinhaltet die für die Allgemeinheit interessantesten Artikel (oder so hoffe ich zumindest).

  1. Bild Leichtbautriebwagen
  2. Eine kleine Statistik
  3. Bild Roter Pfeil in Stein-Säckingen
  4. Reiseverkehr
  5. Güterverkehr

Sehr geehrte Aktionärin
Sehr geehrter Aktionär

Die europaweit herrschende wirtschaftliche Lage erzeugt auch auf die Bahnunternehmungen in unserem Land einen massiven Kostendruck, der von den Unternehmungsverantwortlichen, aber auch von den Behörden, das Einleiten verschiedener Massnahmen bewirkt.

Man kann den Massnahmenkatalog aufgrund der Einflussnahme in drei Hauptgruppen unterteilen.

1. Massnahmen, die durch die Transportunternehmungen (TU) beeinflussbar sind

Dazu zählen

  • Sparmassnahmen beim Sachaufwand
  • Einsparungen beim Personalaufwand

Beide Einsparungsgebiete werden bei der OeBB mit einem unternehmensgerechten Controlling als Führungsmittel bereits seit einigen Jahren laufend überprüft.

2. Massnahmen, die durch die Transportunternehmungen und die Bahnkunden beeinflusst werden

Es sind dies die ertragsrelevanten Anstrengungen, die beim Reise- und Güterverkehr sowie bei den Nebengeschäften zu Mehreinnahmen führen sollten. Dabei gilt das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage, das aber bei den drei Unternehmensbereichen unterschiedliche Auswirkungen zeigt.

Reiseverkehr

Das Angebot ist mit einem Zweijahresfahrplan definiert. Somit sind auch die fixen und die variablen Produktionskosten gegeben, unabhängig von der Nachfrage. Das Produkt heisst Anzahl Sitzplatze im Zug mal gefahrener Weg des Zuges. Hier zeigt sich beim Reagieren auf den Markt ein krasser Branchenunterschied, wenn wir beispielsweise das Verhalten einer Bahnunternehmung mit einer Maschinenfabrik vergleichen.

Sinkende Nachfrage heisst zum Beispiel für die Maschinenfabrik weniger produzieren Die Bahnunternehmung hingegen kann kurzfristig weder Produktion noch Kosten senken.

Fazit

  • Die Maschinenfabrik kann trotz weniger Umsatz ihren Kostendeckungsgrad halten und erfolgreich bleiben.
  • Die Bahnunternehmung hingegen wird unausweichlich Verluste einfahren.

Güterverkehr

Die OeBB befördert die Güterwagen nach einem Güterzugsfahrplan, der weitgehend von den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der SBB-Güterzuge in Oensingen abhängig ist. So ist auch hier nur geringe Anpassung an veränderte Nachfrage möglich. Es ist zwar zulässig, falls für einen fahrplanmässigen Güterzug gar keine Wagen vorangemeldet sind, die Lokomotive nicht fahren zu lassen. Daraus resultieren aber nur geringe Einsparungen.

Nebengeschäfte

Auf diesen Geschäftsbereich können die Transportunternehmungen den grössten Einfluss nehmen, verglichen mit dem Reise- oder dem Güterverkehr. Oft haben Bahn-Nebengeschäfte aber Luxus- und Freizeitcharakter. In wirtschaftlich rauhen Zeiten wird dann zwangsläufig auf dieses Konsumsegment verzichtet. Mit Nebengeschäften ist dann nur bedingt eine Gewinnsteigerung möglich.

3. Massnahmen durch Strukturreformen im Regionalen Personenverkehr

Bei dieser Massnahmengruppe werden die Transportunternehmungen nicht isoliert auf ihrem seit der Gründung zugeordneten Streckenabschnitt betrachtet, sondern vielmehr in einer Region auf mögliche Zusammenarbeiten untersucht. Dabei sind Nutzenkombinationen anzustreben, die Kosteneinsparungen bei gleichem oder besserem Leistungsangebot bewirken.

Der Kanton Solothurn hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um in unserer Region ein Verkehrskonzept Thal zu erarbeiten. Dabei werden folgende Schlüsse gezogen:

Es wird empfohlen, zwischen Balsthal und Oensingen den Personenverkehr von der Schiene auf die Strasse umzustellen, wenn

a) die OeBB keine Betriebserweiterung auf der Jura-Südfusslinie erfährt und
b) auf der Strasse ein störungsfreier Betrieb durch die Klus garantiert ist.

Gleichzeitig hat der Verwaltungsrat der OeBB das Institut für Verkehrsplanung, Transporttechnik, Strassen- und Eisenbahnbau (IVT) der ETH Zürich beauftragt, über die Zukunft der Bahnverbindung Balsthal-Oensingen ein Gutachten zu erarbeiten. Die Empfehlungen des IVT lauten:

  • Eine Umsetzung des Personenverkehrs Balsthal-Oensingen von der Schiene auf die Strasse ist solange nicht angezeigt, als Möglichkeiten bestehen, die OeBB ausserhalb ihrer angestammten Strecke einsetzen zu können.
  • Die OeBB sollte sich im Interesse des öffentlichen Verkehrs im Kanton Solothurn in Zusammenarbeit mit den SBB Und der EBT Gruppe für eine gesamtheitliche Betrachtung des Betriebes über Solothurn bis Moutier bemühen.

Der Kanton Solothurn leitet im weiteren eine Arbeitsgruppe, die den regionalen Personenverkehr im Raum Olten-Biel untersucht. 1n diesem Gremium sind neben den Kantonen SO Und BE Instanzen der SBB, EBT/SMB Und der OeBB vertreten. Auch in diesem Ausschuss wird überprüft, ob und wie die normalspurigen Privatbahnen im Raum Olten-Solothurn Teilleistung der heutigen SBB-Leistung (Regionaler Personenverkehr) übernehmen können.

Nach dem revidierten Eisenbahngesetz treten die Kantone als Besteller auf. Es ist die Aufgabe der Transportunternehmungen, die Fahrangebote für die Kantone kostengünstig auszuarbeiten. Sicher ist dabei folgendes:

Die Ausdehnung der OeBB-Zugsleistungen bewirkt eine Senkung des OeBB-Betriebsfehlbetrages bei gleichzeitiger Verbesserung des Fahrangebotes. Das Drei-Säulen-Prinzip Personenverkehr/ Güterverkehr/Nebengeschäfte kommt voll zum Tragen - zum Nutzen der Region und des Kantons Solothurn .

Die verantwortlichen der OeBB erwarten vom Kanton Solothurn einen diesbezüglichen Leistungsauftrag und sind überzeugt:

Vier öffentliche Fahrten Balsthal-Solothurn-Balsthal ohne Umsteigen wurden rege benutzt und von den Fahrgästen durchwegs als Attraktivitätssteigerung gewertet.

Wir wollen:

  • mit der OeBB der Talschaft den Anschluss an das weite Schienennetz auch in Zukunft bieten.
  • unsere Fahrgäste pünktlich, zuverlässig und komfortabel bedienen und weiter führen.
  • der Wirtschaft in Balsthal und der Klus mit der Bahn eine rationelle und ökologisch sinnvolle Logistik zur Verfügung stellen.
  • unter Ausnützung der Nutzenkombinationen verschiedener OeBB-Geschäftstätigkeiten die Bahnunternehmung zu einer noch rationelleren umfassendenderen Dienstleistungsunternehmung entwickeln .





[Während den Balsthaler Eisenbahntagen im September 1995 waren neben einem SBB-Leichtbautriebwagen auch zwei Stadtbahntriebzüge aus Karlsruhe zu Gast in Balsthal.]
Während den Balsthaler Eisenbahntagen im September 1995 waren neben einem SBB-Leichtbautriebwagen auch zwei Stadtbahntriebzüge aus Karlsruhe zu Gast in Balsthal.Foto: M. Rickenbacher





Auf einen Blick

1995 1995 Veränderung
in %
Verkehrsleistungen
Beförderte Personen 499503 420607 -15.8
Beförderte Gütertonnen 75004 65296 -12.9
Erfolgsrechung
Ertrag Reiseverkehr 468082 429844 -8.2
Ertratg Güterverkehr 538981 394860 -26.8
Nebenertrag 204027 192553 -5.6
Personalaufwand 1598141 1511345 -5.5
Sachafuwand 658989 678241 2.9
ordentliche Abschreibungen 121745 109241 -10.3
Unternehumungsergebnis -775303 -949620 22.4
Personalbestand 20.1 18.6 -7.5





[Am 17. Juni 1995 (Foto: Aarebrücke bei Koblenz) wurde die OeBB mit dem Roten Pfeil an den Bahnfrühling nach Stein-Säckingen eingeladen. Die Organisatoren hatten zwischen Stein und Koblenz Publikumsfahrten durchgeführt,die gut frequentiert waren.]
Am 17. Juni 1995 (Foto: Aarebrücke bei Koblenz) wurde die OeBB mit dem Roten Pfeil an den Bahnfrühling nach Stein-Säckingen eingeladen. Die Organisatoren hatten zwischen Stein und Koblenz Publikumsfahrten durchgeführt,die gut frequentiert waren.Foto: M. Baumann, Stein-Säckingen





Reiseverkehr

In der heutigen, wirtschaftlich angespannten und anspruchsvollen Zeit entschliessen sich viele Leute, die Bahn weniger oft zu benützen, da sie die fixen Kosten des Privatautos gleichwohl bezahlen müssen. Seit dem 1. Januar 1995 ist im weiteren bei den öffentlichen Transportunternehmungen durch die Mehrwertsteuer eine Tariferhöhung wirksam, was den obigen Effekt noch verstärkt. Die meisten Transportunternehmungen weisen Ertragsrückgänge aus. Bei der OeBB beträgt der Ertragsrückgang im Reiseverkehr Fr. 39000.- oder 8 %.

Güterverkehr

Auch im Güterverkehr sind Rückgänge bei den transportierten Mengen, von insgesamt 9700 Tonnen oder 13 %, wie etwa Bimskies oder Zellulose zu verzeichnen.
Der Ertragsrückgang (1994 zu 1995) beziffert sich auf Fr. 144000.- oder 27 %.

Die negative Entwicklung dieser unerfreulichen Situation konnten wir etwas abbremsen, dank der noch engeren Zusammenarbeit mit der TELA Papierfabrik AG im Logistikbereich.

Das Rollende Lager wurde ausgebaut, indem die TELA weitere 20 gedeckte Güterwagen zumietete. Die OeBB hat somit in den vergangenen 2 Jahren insgesamt 3O Güterwagen eingestellt.

Nach wie vor wird versucht, in Zukunft in der Klus Kehrricht von der Strasse auf die Schiene umzuladen. Leider ist die Einflussnahme der OeBB auf dieses Projekt beschränkt und von den für die Projektrealisierung erforderlichen Partnern abhängig.