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Geschäftsbericht 1999

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Inhalt


Vorwort

Sehr geehrte Aktionärinnen, sehr geehrte Aktionäre
Geschätzte Freunde der Oensingen-Balsthal-Bahn

Mit dieser Schrift berichten wir über unser 100. Betriebsjahr, das Jahr 1999 Es wird uns bestimmt in bester Erinnerung bleiben.

Erinnern werden wir uns an ein ausserordentlich schönes und würdiges Jubiläum. Wir haben das Ziel, der ganzen Region ein attraktives Jubiläumsprogramm zu bieten und ein tolles Fest dazu, sicher erreicht. Über dieses Ereignis wird in einer speziellen Jubiläumsbeilage zum vorliegenden Geschäftsbericht der Präsident des Organisationskomitees, Verwaltungsrat Marcel Bläsi, speziell berichten. Wir danken an dieser Stelle ihm und allen seinen Helfern für das gut gelungene Jubiläum 100 «Johr OeBB». Danken wollen wir aber auch dem hauptverantwortlichen Verfasser des Jubiläumsbuches, Herrn Beat Birkhofer und seinen Mitautoren. Sie haben unsere 100jährige Vergangenheit sehr gründlich und detailliert beschrieben und damit nicht nur ein gut illustriertes, wertvolles Bahnbuch sondern auch ein interessantes Werk der Thaler Wirtschaftsgeschichte geschaffen.

Das Bahnbetriebsergebnis 1999 ist wiederum recht gut ausgefallen. Die OeBB hat gegenüber dem Vorjahr mehr Personen und auch mehr Güter transportiert. Ein leicht gesteigerter Personenverkehrsertrag und netto auch ein positives Güterverkehrsergebnis waren die Folge. Auf der Aufwandseite konnten zudem der Personal- und Sachaufwand gesenkt werden, so dass die ausserordentlichen Aufwendungen für das Jubiläum fast vollständig gedeckt wurden. für dieses gute Jahresergebnis dankt der Verwaltungsrat allen Mitarbeitern recht herzlich.

Im Berichtsjahr ist zudem eine bemerkenswerte, positive Entwicklung bezüglich unserer Zukunft festzustellen. Unsere enormen Anstrengungen, den OeV im Thal ganzheitlich und partnerschaftlich anzugehen, tragen Früchte. Wir, die Oensingen-Balsthal-Bahn und das Postautocenter Thal-Gäu als mögliche Partner, suchen zur Zeit ernsthaft nach Lösungen, gemeinsam das vom OeBB-Verwaltungsrat entwickelte Gesamtkonzept «Öffentlicher Verkehr Thal», umzusetzen. Wir tun dies sozusagen mit regierungsrätlichem Segen und sind deshalb sehr zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen werden.

Gerne hoffen wir, dass auch Sie — liebe Aktionärinnen und Aktionäre — bezüglich unserer Zukunft zuversichtlich sein werden. Unsere Leistungen der letzten Jahre geben dazu wirklich Anlass.

Ihr Ruedi Freiermuth
Präsident des Verwaltungsrates

Dank

Wir danken:

  • unseren Fahrgästen und unseren Kunden im Güterverkehr für die Benützung der Bahn und die Inanspruchnahme unserer verschiedenen Leistungen.
  • unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die zuverlässige Arbeitsleistung und für die gute Zusammenarbeit.
  • im Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr «100 Johr OeBB», allen Sponsoren dem OK und allen Helferinnen und Helfer.
  • den Behörden von Bund Kanton und Gemeinden für die gute Zusammenarbeit und für die Unterstützung.
  • der Dampflokgruppe für die umfangreichen Arbeiten bei der Revision der Dampflok E 3/3 Nr. 2 und den Unterhaltsarbeiten am Salonwagen 412.
  • der Arbeitsgruppe Interkantonales Kulturprojekt «Roter Pfeil und Seetalkrokadil» für den grossen Einsatz bei den Arbeiten am «Seetalkrokodil».

Die Erhaltung der historischen Fahrzeuge und die Betreibung des Nostalgiebetriebes ist nur dank den ehrenamtlichen Arbeiten der beiden Arbeitsgruppen möglich.

Auf einen Blick




1998 1999 Veränderung
in %
Verkehrsleistungen


Beförderte Personen 407 275 420 089 + 3.1
Beförderte Gütertonnen 52 558 62 091 + 18.1




Erfolgsrechnung


Ertrag Reiseverkehr 414 4444 438 105 + 5.7
Ertrag Güterverkehr 323 551 266 450 — 17.6
Nebenerträge 198 095 201 297 +1.6
Personalaufwand 1 205 265 1 111 084 — 7.8
Sachaufwand 705 355 627 197 — 11.1
Abschreibungen 117 326 83 698 + 12.1
Unternehmungserfolg 73 229 — 6 394  




Personalbestand 14.1 12.6 — 10.6

Reiseverkehr

Die Anzahl der Reisenden konnte um 3.1%, die Einnahmen um 5.7% erhöht werden. Die Frequenzen bei der morgendlichen Spitze um 06.46 Uhr haben sich auf bis 240 Personen erhöht, was den Einsatz der beiden Pendel ABDe 4/8 bedingt. Somit verfügt dieser Zug über 272 Sitzplätze. Am Abend verteilen sich die Spitzenfrequenzen etwas besser, erreichen aber beim Zug ab Oensingen 17.02 Uhr die Zahl von 170 Personen.

Güterverkehr

Im Sommer 1999 hat die Flumroc Flums das Aussenlager in der Klus aufgelöst.

Damit ist die Tela mit dem Aussenlager Klus der einzige Güterkunde mit Bahntransport im ganzen Von Roll Areal.

Die Tela hat für das «Rollende Lager» weitere 10 Güterwagen gemietet. Der interne Verkehr der Tela mit den Transporten ins Werk Niederbipp und Aussenlager Klus sowie das Rollende Lager werden mit folgendem Wagenmaterial abgewickelt:

3 Weisse Tela Wagen,
5 OeBB-Wagen,
30 von der Tela gemietete Privatwagen.

Vorallem durch die Zunahme im internen Verkehr und auch durch einen neuen Rekord beim Holzverlad (122 Wagen) konnte die Gütermenge um 9500 Tonnen gesteigert werden, was einer Zunahme von 18.1% entspricht.

[«Rollendes Lager» der Tela Kimberly in der Klus]
«Rollendes Lager» der Tela Kimberly in der KlusFoto: Pascal Kamber

Fahrzeuge

Die von der Von Roll erworbene Diesellok wurde vom eigenen Depotpersonal revidiert. Ihre Leistungsfähigkeit kann die Diesellok nach der Eröffnung der Kehrichtumladestation im Maiacker unter Beweis stellen

Die beiden OeBB-Pendel ABDe 4/8 wurden auch in diesem Jahr versprayt. Verursacht durch mutwillige Beschädigungen, mussten ca. 50 Sitze der beiden Pendel neu bezogen werden Ab Oktober 1999 wurde in der Nacht ein Sicherheitsdienst mit der Überwachung des Bahnhofareals beauftragt, um weitere Sachbeschädigungen zu vermeiden.

[Die OeBB-Diesellok nach der Revision bereit für den Einsatz in der Klus]
Die OeBB-Diesellok nach der Revision bereit für den Einsatz in der KlusFoto: Pascal Kamber

Betrieb

Der Betrieb konnte bis auf eine Ausnahme reibungslos und störungsfrei abgewickelt werden.

Der Orkan «Lothar» hinterliess auch bei der OeBB seine Spuren. Am 26. Dezember 1999 um ca. 11.00 Uhr fiel bei der Dünnernbrücke in Oensingen ein Baum auf die Stromleitung des EW Wynau und riss dabei 10 Masten der Stromleitung um. Dabei fielen 5 Masten auf die Fahrleitung der OeBB, beschädigten einige Ausleger der Fahrleitungsmasten und rissen die Fahrleitung herunter. Die Fahrleitung wurde vom SBB Fahrleitungsdienst von Solothurn repariert. Vom 26. Dezember 11.00 Uhr bis 27. Dezember 17.30 Uhr wurden alle Zugsverbindungen mit Bussen des Postautodienstes Thal-Gäu-Lebern geführt.

Anlagen und Einrichtungen

In der Nacht vom 28./29. April 1999 wurde die Barrierenanlage beim Bahnübergang «Landi», Balsthal in Betrieb genommen. Somit sind sämtliche Übergänge der OeBB durch eine Schrankenanlage gesichert.

Es wurden auf der ganzen Strecke kleinere Sanierungsarbeiten ausgeführt. Auf das bevorstehende 100-Jahr-Jubiläum hin wurde das Bahnhofgebäude in Balsthal renoviert.

[Bahnübergang «Landi»]
Bahnübergang«Landi»Foto: Pascal Kamber
[Das Bahnhofgebäude Balsthal erstrahlt in neuem Glanz]
Das Bahnhofgebäude Balsthal erstrahlt in neuem GlanzFoto: Pascal Kamber

Nebengeschäfte im marktwirtschaftlichen Bereich

Die Nostalgiefahrten auf der OeBB haben leicht zugenommen.

Auf den 1. Januar l999 trat die Bahnreform in Kraft, die den freien Netzzugang in der ganzen Schweiz ermöglicht. Dank der intensivierten Werbung für Fahrten auf dem ganzen Normalspurnetz der Schweiz konnte ein stolzes Resultat erzielt werden.

Auf dem Netz der SBB, der BLS (Lötschberg Bahn), RM (Regionalverkehr Mittelland) und der BT (Bodensee-Toggenburg) wurden folgende Fahrten ausgeführt:

12 Fahrten mit dem «Roten Pfeil» (Total 3800 Kilometer)
2 Fahrten mit BDe4/4 und 2 Salonwagen,
4 Fahrten mit der Dampflok und 2 Salonwagen.

Dazu kamen Salonwagenvermietungen nach Lyss (3x), Basel SBB, Möhlin und Frauenfeld.

[RFe 4/4 mit 4 Salonwagen der OeBB unterwegs nach Lyss]
RFe 4/4 mit 4 Salonwagen der OeBB unterwegs nach LyssFoto: R. Steiner
[«Roter Pfeil RBe 2/4 und BDe 4/4» am Eisenbahnfest in Gänsbrunnen]
«Roter Pfeil RBe 2/4 und BDe 4/4» am Eisenbahnfest in GänsbrunnenFoto: R. Steiner

Dampflokgruppe der OeBB

Für das 100-Jahr-OeBB-Jubiläum wurde die Original Dampflok SLM E 3/3 Nr. 2 von 1899 in 4018 Arbeitsstunden total revidiert Die OeBB Dampflok ist praktisch neuwertig und hat ihren 100. Geburtstag gebührend und erfolgreich gefeiert. Nicht nur auf ihrer Stammstrecke, sondern sogar bis Solothurn kam sie zum Einsatz.

Folgende Revisionsarbeiten wurden durch die Dampflokgruppe der OeBB getätigt:

  • Arbeiten inkl. Kesselmontage (2428 Std.)
  • Aufwand Kesselrevision (350 Std.)
  • Aufwand Fahrwerkrahmen (150 Std.)
  • Aufwand Demontage (890 Std.)
  • Privataufwand Oskar Meister und Peter Schar (200 Std.)

Von ganzem Herzen danke ich den verschiedenen Firmen der Region, die uns mit ihren Naturalgaben unterstützt haben sowie den Verantwortlichen des Lotteriefonds des Kantons Solothurn, die uns mit Fr. 30 000.— geholfen haben, dieses Eisenbahn Kulturgut zu erhalten.

Revision des Salonwagen Nr. 412

Das gesamte Dach des Wagens sowie die beiden Stirnseiten wurden entrostet, Löcher repariert, ein neuer Boden bei den Eingängen eingesetzt und Dach und Stirnseiten neu gestrichen.

Möge die OeBB, die einzige wirkliche «Solothurner Bahn» auf «Solothurner Boden» einer guten Zukunft entgegenfahren.

Wir machen mit!

Fritz Sartorius, Balsthal

[Die «100jährige», der Stolz der Dampfgruppe]
Die «100jährige», der Stolz der DampfgruppeFoto: Pascal Kamber

Die Revision des Seetal-Krokodils der OeBB

Die Arbeiten am Seetal-Krokodil schreiten planmässig voran. Allerdings war die Anzahl der verfügbaren Arbeitslosen im Berichtsjahr sehr gering, und diese waren meistens so schlecht qualifiziert, dass sie nicht selbständig eingesetzt werden konnten.

Trotzdem konnte im Jahre 1999 das erste Drehgestell fertiggestellt und das zweite in Angriff genommen werden. Unterdessen ist dieses fertig entrostet und bereits zweimal grundiert. Bei diesen Arbeiten wirkte sich sehr verzögernd aus, dass gar keine Arbeitslosen mehr zur Verfügung standen. Infolgedessen mussten die Mitglieder der Arbeitsgruppe die zeitintensiven Reinigungs- und Malerarbeiten selber ausführen Inzwischen sind bereits Einzelteile wieder montiert worden.

Der Mittelteil der Lok, das typische kurze Häuschen, konnte zum Sandstrahlen zur Firma Taufer in die Klus gebracht werden. Dort wurde es fachmännisch und sehr sorgfältig aufgearbeitet — und erst noch zu einem unvorstellbar günstigen Preis. Herzlichen Dank an die Firma Taufer AG!

Ein nicht zu Unterschätzender Beitrag zur Revision des Krokodils wird gegenwärtig von Pensionierten der ALU Menziken geleistet. In mehreren Camion-Fahrten wurden Teile (z. B. Türen, Vorbauten etc.) nach Menziken gebracht, wo diese von einer enthusiastischen Arbeitsgruppe in neuwertigen Zustand gebracht werden.

Eine gewisse Unsicherheit besteht noch beim elektrischen Teil. Nach den Plänen, die innerhalb einer Diplomarbeit der Fachhochschule Biel erstellt wurden, wäre ein Trafo aus einem ausrangierten BDe 4/4 Triebwagen der SBB zu montieren. Da diese Lösung einige Unsicherheiten enthält, hielten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Umschau bei anderen Fahrzeugen. Und wurden fündig: Die SBB besitzen zwei Rangier-Krokodile Ee 6/6, welche abbruchreif sind. Nun wird abgeklärt, ob Teile der elektrischen Ausrüstung von diesen Maschinen übernommen werden könnten Der Entscheid wird im Frühling 2000 erwartet

Man sieht: Es tut sich etwas im Depot Balsthal, auch wenn es nicht spektakulär ist. Man kommt durchaus vorwärts, nur einfach in sehr langsamem Tempo. Aber manchmal gilt: Langsam ist schneller!

März 2000, Arbeitsgruppe des Kulturprojektes «Roter Pfeil und Seetal-Krokodil».

[Der Mittelteil des «Krokodils» nach dem Sandstrahlen]
Der Mittelteil des «Krokodils» nach dem SandstrahlenFoto: Pascal Kamber